HEUTE MORGEN GAB ES THE GIFT NOCH NICHT.
Abends war es ein fertiges Produkt.
Manche Ideen kündigen sich lange an.
Diese nicht.
Morgens hatte ich einen Gedanken:
Eine magische Fähigkeitskarte wäre cool.
Das war alles.
Ich hatte früher viel mit sogenannten Seelengaben gearbeitet. Und eine Frage daran fand ich immer faszinierend:
Was kann ich eigentlich, was andere vielleicht nicht können?
Nicht im Sinne von besser.
Sondern im Sinne von:
Was tue ich ständig, ohne zu merken, dass darin überhaupt eine Fähigkeit steckt?
Was fällt mir leicht, obwohl es für jemand anderen schwierig wäre?
Und noch interessanter:
Was könnte in mir stecken, von dem ich noch gar nicht weiß, dass ich es kann?
Damit fing THE GIFT an.
ICH WOLLTE KEINEN WEITEREN STÄRKENTEST.
Davon gibt es genug.
Du beantwortest Fragen und erfährst anschließend, dass du empathisch, kreativ, analytisch oder besonders gut mit Menschen bist.
Kann stimmen.
Hilft mir nur nicht besonders viel.
Ich wollte auch keine dieser wunderbar klingenden Aussagen wie:
„Deine Gabe ist es, Menschen mit dem Herzen zu führen.“
Eine ehemalige Kundin von mir hat einmal mehrere Tausend Euro für eine Analyse bezahlt und bekam ungefähr so einen Satz als ihre besondere Gabe präsentiert.
Mein Gedanke damals:
Das ist keine Gabe. Das ist eine Grundfähigkeit.
Mich interessierte etwas anderes.
Ich wollte wissen:
Kann eine KI in meinem tatsächlichen Leben nach Fähigkeiten suchen, die ich selbst nicht als Fähigkeiten erkenne?
Nicht danach fragen, was ich gut kann.
Sondern Spuren finden.
DER ERSTE VERSUCH WAR EINE KATASTROPHE.
Also fing ich an zu bauen.
Die erste Version stellte Fragen.
Und noch eine.
Und noch eine.
Nach ungefähr 45 Minuten saß ich immer noch da und beantwortete Fragen.
Irgendwann dachte ich:
Wenn das so weitergeht, bin ich 83, bevor ich meine erste Gabe kenne.
Also wieder von vorn.
Logik verändert.
Fragen gekürzt.
Getestet.
Ergebnisse verworfen.
Neu gebaut.
Wieder getestet.
Bis plötzlich etwas passierte.
THE GIFT fand eine Fähigkeit, die ich tatsächlich ständig benutze.
Nur hatte ich sie nie für eine Fähigkeit gehalten.
„ICH ARBEITE HALT SCHNELL.“
So hätte ich es beschrieben.
Ich habe eine Idee und ziemlich schnell steht etwas da.
Ein Produkt.
Eine Struktur.
Ein Text.
Eine Anwendung.
Ich denke darüber nicht besonders nach.
Ich mache es einfach.
Und genau deshalb wäre ich niemals auf die Idee gekommen, bei der Frage nach meinen besonderen Fähigkeiten zu antworten:
Geschwindigkeit.
THE GIFT schaute aber nicht danach, was ich über mich behaupte.
Es schaute darauf, was ich tatsächlich tue.
Und plötzlich stand da sinngemäß:
Du kannst aus einem zunächst fremden oder losen Ausgangspunkt sehr schnell einen eigenen funktionierenden Weg entwickeln.
Da dachte ich:
Scheiße. Ja.
Und noch etwas:
THE GIFT selbst war gerade der Beweis dafür.
Morgens war da ein loser Gedanke.
Ein paar Stunden später existierte eine komplette Anwendung.
VIELLEICHT ÜBERSEHEN WIR UNSERE BESTEN FÄHIGKEITEN GERADE DESHALB.
Weil sie sich nicht besonders anfühlen.
Du machst etwas seit Jahren.
Du bemerkst sofort, wenn irgendwo etwas nicht zusammenpasst.
Du kannst komplizierte Dinge so erklären, dass andere sie verstehen.
Du erkennst eine unausgesprochene Regel in einem Raum.
Du verbindest zwei Dinge, die für andere nichts miteinander zu tun haben.
Du findest dich ungewöhnlich schnell in etwas Neuem zurecht.
Aber für dich heißt das:
„Das mache ich halt so.“
Natürlich.
Was denn sonst?
Und genau da wird es interessant.
Denn vielleicht ist eine Fähigkeit für dich gerade deshalb unsichtbar, weil du sie die ganze Zeit benutzt.
ABER WAS IST MIT DEM, WAS DU NOCH GAR NICHT KANNST?
Das wurde beim Bauen die nächste Frage.
Denn nur bereits vorhandene Fähigkeiten zu finden, war mir irgendwann zu wenig.
Was ist mit Fähigkeiten, für die es bisher schlicht keinen Anlass gab?
Vielleicht steckt irgendwo eine Spur.
Eine Kombination aus zwei Dingen, die du bereits kannst.
Eine Art zu denken, die in einem völlig anderen Bereich plötzlich nützlich werden könnte.
Etwas, das du noch nie ausprobiert hast.
Das kann niemand einfach als Wahrheit über dich behaupten.
Aber man kann eine Hypothese daraus machen.
Und sie testen.
Damit wurde aus THE GIFT irgendwann keine Analyse mehr.
Sondern eine Karte.
Mit Entdeckungen.
Spuren.
Unerforschten Gebieten.
Verbindungen.
Und Expeditionen.
UND DANN WAR DIE NÄCHSTE FRAGE: WAS MACHE ICH DAMIT?
Denn „Du hast eine tolle Fähigkeit“ ist nett.
Aber danach?
Mich interessiert viel mehr:
Wo wird diese Fähigkeit gebraucht?
Was könnte ich damit machen?
Welche Arbeit passt dazu?
Kann daraus etwas entstehen?
Kann ich damit Geld verdienen?
Was passiert, wenn ich zwei meiner Fähigkeiten miteinander verbinde?
Entsteht daraus vielleicht etwas, das keine von beiden allein könnte?
Damit wurde die Karte immer größer.
Und genau das gefällt mir heute wahrscheinlich am meisten an THE GIFT:
Sie ist nicht irgendwann fertig.
Du kannst zurückkommen.
Eine Spur verfolgen.
Eine Fähigkeit genauer untersuchen.
Etwas ausprobieren.
Eine Verbindung erforschen.
Oder einfach sagen:
Überrasch mich.
AM ABEND WAR THE GIFT ONLINE.
Morgens gab es nicht einmal den Namen.
Und ja:
Ich bin schnell. 🙂
Interessanterweise musste ich erst eine Anwendung bauen, die unbekannte Fähigkeiten sucht, damit mir auffällt, dass genau das selbst eine meiner Fähigkeiten ist.
Vorher hätte ich einfach gesagt:
Ich arbeite halt schnell.
Vielleicht ist genau das der spannendere Gedanke hinter THE GIFT.
Nicht, dass irgendwo tief in dir eine magische Superkraft darauf wartet, endlich entdeckt zu werden.
Sondern dass wir wahrscheinlich alle Dinge können, die wir nie als Fähigkeit bezeichnet haben.
Weil wir unser eigenes Können von innen erleben.
Und von innen fühlt sich Außergewöhnliches manchmal verdammt gewöhnlich an.
WAS KANNST DU, DAS DU FÜR VÖLLIG NORMAL HÄLTST?
Vielleicht weißt du es schon.
Vielleicht fällt dir gerade etwas ein.
Vielleicht hast du keine Ahnung.
Genau diese dritte Möglichkeit interessiert mich.
Denn nach Dingen, von denen wir nichts wissen, können wir schlecht selbst suchen.
Manchmal brauchen wir etwas, das anders hinschaut.
Und vielleicht ist das eine der interessantesten Sachen, die wir mit generativer KI machen können:
Nicht nur Antworten auf unsere Fragen finden.
Sondern Dinge entdecken, nach denen wir selbst nie gefragt hätten.
Nadine Hermann
Founder · EVARILA